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Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag

Anlässlich des Volkstrauertages veranstaltete der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Sachsen-Anhalt e.V. seine jährliche Gedenkfeier im Landtag.  Das Thema in diesem Jahr lautete „Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich“.

Der Landesvorsitzende und Landtagspräsident a.D. Dieter Steinecke MdL und  Generalmajor Heinrich Geppert, Befehlshaber im Wehrbereich III, hielten zwei beeindruckende Reden und Landtagspräsident Gürth sprach das Totengedenken.

Der Vokalkreis des Telemann-Konservatoriums Magdeburg sorgte für eine musikalische Gestaltung des Programms.

Anschließend ging es auf den Magdeburger Westfriedhof, wo Kränze für die Kriegsopfer niedergelegt wurden.

Fotos: Jana Lesniak



Rede von Dieter Steinecke zum Volkstrauertag 2012

Wir gedenken am heutigen Volkstrauertag all der Menschen, die durch Krieg und Terror, Gewalt und Diktatur ihr Leben verloren haben.

Wir gedenken heute auch derer, die wegen ihrer Überzeugung, ihrer Religion, ihrer Rasse, ihrer sexuellen Orientierung oder einfach nur weil sie sind, wer sie sind, verfolgt, geschunden und ermordet wurden.
Sehr geehrter Herr Landtagspräsident Gürth, es ist für uns eine große Freude und Ehre, Sie heute bei uns zu haben.

Mit ihrer Bereitschaft, Herr Präsident, die Schirmherrschaft über den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Sachsen-Anhalt zu übernehmen, sind sie der Tradition ihrer Vorgänger gefolgt und dafür danke ich Ihnen ganz herzlich.
Mit besonderer Freude begrüße ich Herrn Generalmajor Geppert, der die Gedenkrede halten wird und dafür bin ich ihnen sehr dankbar.

Ich begrüße die Damen und Herren Abgeordnete des Landtages, die Vertreter der Landesregierung und der Bundeswehr.

Ich begrüße ganz herzlich die Vertreter der Kirchen und Glaubensgemeinschaften, sowie die Vertreter des öffentlichen Lebens und all die im Plenarsaal anwesenden Damen und Herren. Seien sie uns allen willkommen!

Wir wissen, wie weit die Schrecken des Krieges und der Gewalt fortwirken. Kriege werfen lange Schatten. Auch auf die Generationen, die den Krieg selbst nicht miterlebt haben.
Tagtäglich erreichen uns Berichte und Bilder kriegerischer Auseinandersetzungen, von menschlichen Tragödien, die Leben kosten.
Wir wissen um die Macht der Bilder, die zugleich oft unsere Ohnmacht offen legt und begreifen nicht was dort passiert.

Und dennoch dürfen wir aber nie vergessen: Hinter jedem Opfer steht ein ganz persönliches Schicksal und jedes Opfer wird vermisst.

Und genau darum müssen wir ihnen ihren Namen, ihre Würde zurückgeben, damit sie nicht vergessen sind.

Das individuelle Kriegsleid von Millionen Familien sowohl auf Seiten der Besiegten und Befreiten als auch auf Seiten der Sieger und Befreier wurde zur verbindenen Kraft für Versöhnung und Frieden, die bis heute wirksam ist.

Wo Feindschaft und Misstrauen lange das Verhältnis beherrschten, konnte neues Vertrauen entstehen und
Vertrauen ist etwas Kostbares.

Zwischen Staaten genauso wie zwischen Menschen.
Es braucht Zeit zu wachsen, ist aber auch rasch zerstört, wenn wir nicht wachsam bleiben unsere Demokratie zu schützen.

Vertrauen braucht also feste Grundlagen.
Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit sind dazu die guten Grundlagen.

Vertrauen geht immer über gute Gründe hinaus und wagt den Schritt ins Ungewisse, ins Neue.

Das macht die Kraft von Vertrauen aus.

Vor 67 Jahren vertraute niemand den Deutschen. Deutschland hatte sich selbst außerhalb der Staatengemeinschaft gestellt.

Vor diesem Hintergrund haben die Mütter und Väter unseres Grundgesetzes in der Präambel einen klaren Auftrag erteilt: „In einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen.“

Mit diesem klaren Kompass hat sich die Bundesrepublik Deutschland über Jahrzehnte Vertrauen erarbeitet, dass dann letztendlich auch die deutsche Einheit vor 22 Jahren erst möglich machte.

Dieser Auftrag und das Bekenntnis als Kompass sollen und müssen auch in Zukunft bestimmend sein für den Kurs unseres Landes.

Wenn sich darüber hinaus jeder von uns in seinem Umfeld um Mitmenschlickkeit und Toleranz bemüht – auch wenn man dafür nicht besonders geachtet und gelobt wir,

Wenn jeder die Würde der anderen als unantastbar achtet und verteidigt, dann haben wir eine Chance, unsere Zukunft lebenswerter zu gestalten.

In diesem Sinne können wir tatsächlich den Blick nach vorn richten und die Trauer dieses Tages als Auftrag zur Versöhnung und zu einem Streben nach Frieden und Freiheit annehmen.