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Buchlesung anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus

Am Donnerstag lud das Bildungswerk Schloss Wendgräben der Konrad-Adenauer-Stiftung im Rahmen des „DenkT@g“-Projektes anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus (27.01.) in das Kaffeehaus Köhler in Magdeburg zu einer interessanten Buchlesung ein.
Vorgestellt wurde das Buch „Himmlers Kinder“, das sich mit der Geschichte der SS-Organistation „Lebensborn e.V.“ von 1935 bis 1945 beschäftigt. Der Autor Dr. Thomas Bryant, der sich als Historiker mit zahlreichen Facetten des Alltag in der nationalsozialistischen Diktatur, z.B. dem antisemitistischen Hetzblatt „Der Stürmer“ und mit dem Frauenbild im „Dritten Reich“ beschäftigt, hat uns mit seinem neusten Werk einen weiteren Blick in die grauenhafte NS-Zeit gewährt.

Für die SS waren Kinder, sofern sie bestimmten erbhygienischen und rassenbiologischen Gütekriterien entsprachen, in erster Linie die Garanten für den ewigen Erhalt des deutschen Volkes und die andauernde Erneuerung der arischen Rasse. Einzig und allein entscheidend war ihr Nutzen als Menschenmaterial  für die nationalsozialistische Volksgemeinschaft im Besonderen und den deutschen Volkskörper im Allgemeinen. Der von Reichsführer-SS Heinrich Himmler initierte „Lebensborn e.V.“ trieb diese Auffassung, der zufolge Kinder hauptsächlich Mittel zum Zweck waren, auf die Spitze und war ein integraler Bestandteil innerhalb des weit verzweigten Herrschaftsapparates des Dritten Reiches. Als vereinsrechtliche Ausgründung und willfähriges Instrument der SS muss der Lebensborn daher zwingend in den Kontext von Auslese und Ausmerze sowie Pronatalismus (Geburtenförderung) auf der einen und Antinatalismus (Geburtenverhütung) auf der anderen Seite eingeordnet werden. Wer also von den Schrecken und Verbrechen des NS-Regimes als dunkelstes Kapitel deutscher Geschichte spricht, darf daher auch von der Geschichte des Lebensborn nicht schweigen.

Auch in Wernigerode gab es von 1939 bis 1941 ein Lebensborn-Heim.

Das Buch "Himmlers Kinder" erschien im Oktober 2011 Wiesbadener marixverlag. Dr. Thomas Bryant rekonstruiert die ideologischen Vorläufer, die Organisationsstruktur und den Alltag in Lebensborn-Einrichtungen, die Einbettung in Himmlers biopolitische Überlegungen und lässt zum Schluss auch Zeitzeugen zu Wort kommen.

Nach einer überaus interessanten Buchlesung, folte eine rege Diskussion mit den rund 70 Gästen, die vom ehemaligen Landtagspräsidenten Dieter Steinecke moderiert wurde.