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Magdeburg erinnert an die Zerstörung vor 70 Jahren

Mit einem Schweigemarsch und einer zentralen Gedenkveranstaltung auf dem Magdeburger Westfriedhof gedachten am Freitagnachmittag Landtagspräsident a.D. und Landesvorsitzender des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Sachsen-Anhalts e.V.  Dieter Steinecke, MdL und weitere Vertreter der Stadt- und Landespolitik der Opfer des Luftangriffs auf Magdeburg im Januar 1945. Zahlreiche Kränze wurden an der Gedenkstätte niedergelegt.

„Wir denken heute, am 16. Januar, an die Opfer von Gewaltherrschaft und Krieg vor 70 Jahren in unserer Stadt. An all die Kinder, Frauen und Männer, die dadurch ihr Leben verloren. Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern und unsere Verantwortung gilt dem Frieden zu Hause und in der ganzen Welt“, so Steinecke.

Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper forderte in seiner Gedenkrede auf, sich gegen den Missbrauch des Jahrestags der Zerstörung zu stellen. „Der Schutz der Demokratie ist die Grundlage für ein Leben in Frieden“, so Trümper. Er mahnte:“ Wir dürfen nie vergessen, was geschehen ist. Lasst uns allen für ein friedliches Miteinander der Kulturen, Religionen und Weltanschauungen gegen Menschenverachtung und Fremdenhass eintreten.“
Der Jahrestag dürfe nicht für „die geschichtsverfälschende Propaganda rechter Kräfte“ missbraucht werden, so der Oberbürgermeister weiter.
„Gerade jetzt in den Tagen der sogenannten Pegida-Bewegung ist es wichtig ein Zeichen zu setzen und Gesicht zu zeigen für eine weltoffenes und buntes Magdeburg, in der alle Menschen, gleich welcher Nationalität, Herkunft, Hautfarbe, Religion oder sexueller Identität, frei von Angst leben können. Man dürfe dem Rassismus keinen Raum geben. Es ist wichtig aktiv gegen Hass und Menschenverachtung vorzugehen.“ fügte Steinecke noch hinzu.
Magdeburg war 1944 und 1945 mehrfach Ziel britischer und US-amerikanischer Luftschläge. Das mit Abstand schwerste Bombardement erlebte die Elbestadt am Abend des 16. Januar 1945. Bei dem 39 Minuten dauernden Angriff mit Luftminen, Spreng-, Brand- und Phosphorbomben wurden 90 Prozent der Innenstadt zerstört. Mindestens 2.500 Bewohner kamen dabei ums Leben. Etwa 190.000 Menschen verloren ihr Obdach. 15 Kirchen und der Breite Weg - seinerzeit eine der prächtigsten Barock-Straßen Deutschlands - wurden fast vollständig verwüstet. Allein der Magdeburger Dom überstand den Angriff relativ unbeschadet. Die Bombardierung Magdeburgs gehörte zu den verheerendsten Luftangriffen des Zweiten Weltkrieges überhaupt.
Um 21:28 Uhr, der Zeitpunkt, als die Bombardierung begann, werden die Glocken der großen Kirchen in der Innenstadt läuten. Sie sollen ein Zeichen sein für „Versöhnung über den Gräbern und Arbeit für den Frieden“.

Fotos: Jana Lesniak