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Forschungsgrabung

Am Freitag besichtigte Landtagspräsident Dieter Steinecke auf Einladung von Projektleiter Rainer Kuhn die Forschungsgrabung im Magdeburger Dom St. Mauritius und Katharina. Herr Steinecke begrüßte, dass die Archäologen und Historiker die Vorgeschichte des heutigen gotischen Doms erforschen und so bereits manches Geheimnis des ottonisch-romanischen Vorgängerbaus lüften konnten. „Als Magdeburger interessiert mich natürlich die großartige Geschichte meiner Heimatstadt. Und da gab es ja in den vergangenen zehn Jahren viele neue Erkenntnisse, an denen Herr Kuhn und sein Grabungsteam maßgeblichen Anteil hatten“, so Herr Steinecke.
Vor wenigen Tagen erst hatten die Forscher auf einer Pressekonferenz einen sensationellen Neufund der Öffentlichkeit präsentiert: Das zuvor ungeöffnet Grab eines Magdeburger Erzbischofs aus dem 12. Jahrhundert. Laut Expertenangaben kämen drei Gottesmänner in die engere Wahl, doch alles deute darauf hin, dass es sich um Erzbischof Wichmann von Seeburg handelt. Wichmann wurde etwa 1115 geboren und verstarb 1192, nachdem er 40 Jahre Magdeburger Erzbischof gewesen war. Er gehörte zu den Vertrauten von Kaiser Friedrich Barbarossa und vermittelte 1177 den Frieden von Venedig zwischen Kaiser und Papst. Daneben machte er sich gemeinsam mit Markgraf Albrecht dem Bären einen Namen als Förderer der Besiedlung der Gebiete zwischen Elbe, Havel und Spree. Auch das „Magdeburger Stadtrecht“, dem Städte wie Halle, Leipzig, Dresden, aber auch Stettin, Breslau, Vilnius und Kiew ihren folgenden Aufschwung verdankten, ist eng mit Wichmanns Namen verbunden. Endgültige Sicherheit über die Identität des Toten werden verschiedene Untersuchungen im Laufe des Jahres bringen.
Rainer Kuhn führte Landtagspräsident Steinecke zu dem in Stein gefassten Kopfnischengrab, dessen Platten übrigens aus Bernburger Sandstein bestehen, und wies vor allem auf die sehr gut erhaltenen Textilien hin. „Wir dürfen nicht vergessen, dass dieses Grab mehr als 800 Jahre alt ist. Da grenzt es fast an ein Wunder, dass nicht alles verrottet ist“, so Grabungsleiter Kuhn. Um den empfindlichen Fund zu schützen wurde eigens ein Klimacontainer über dem Grabungsareal installiert, der für eine stabile Temperatur und Luftfeuchtigkeit sorgt. Teile der Grabbeigaben sollen nach der Rekonstruktion in einem Dommuseum ausgestellt werden. Besonders die Mitra aus golddurchwirktem Brokatstoff, die Bischofshandschuhe und der goldene Ring, der silberne Abendmahlskelch und die mit Gold besetzten Schuhe könnten dazu gehören. Jedoch sollten die sterblichen Überreste des Bischofs wieder in seinem historischen Grab im Dom bestattet werden, waren sich Kuhn und Steinecke einig. „Das gebietet in jedem Fall unsere Achtung vor dem
Toten“, schloss der Präsident.

Internet: www.domgrabungen-md.de

Fotos: Thomas Nawrath