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Besuch des Internationalen Gymnasiums Pierre Trudeau

Der Landesvorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge Dieter Steinecke besuchte am Dienstag das Internationale Gymnasium Pierre Trudeau in Barleben. Gemeinsam mit Schulleiter Dr. Michael Kleinen und Geschichtslehrerin Constanze Voigt begrüßte er den Holocaust-Überlebenden Laszlo Ungvári, dessen Vater Dr. Gyula Ungvári 1945 im wenige Kilometer entfernten Hillersleben starb und begraben wurde. Am Beispiel der Familie Ungvári aus der ungarischen Stadt Szolnok ergründen Schüler der Klassen 8 bis 11 das Schicksal von Juden, die noch im April 1945 vom KZ Bergen-Belsen ins KZ Theresienstadt gebracht werden sollten, deren Zug aber im Dorf Farsleben bei Wolmirstedt stoppte, ehe sich die Inhaftierten selbst befreien konnten und von vorrückenden Truppen der US-Army in Hillersleben bei Haldensleben einquartiert wurden. Für etwa 140 der befreiten jüdischen KZ-Insassen währte die Freude aber nur kurze Zeit, da sie an Typhus erkrankten – wie Dr. Ungvári – oder anderen Folgen der Lagerhaft den Tod fanden.

Die Barleber Schüler hatten sich bereits am Freitag der Vorwoche direkt in Hillersleben umgesehen. Im Gespräch mit dem Hobbyhistoriker Klaus-Peter Keweloh, dem früheren Lehrer Joachim Falta und dem Pfarrer Hans-Joachim Tschiche hatten sie einige Hintergründe des zeitweiligen Aufenthalts der befreiten Juden von April bis September 1945 in Hillersleben ergründet und dabei auch erfahren, dass der Friedhof mit den rund 140 Grabstätten wohl bereits kurz nach Kriegsende von der Garnison der Roten Armee eingeebnet wurde, um Platz für einen Sportplatz zu schaffen. So fand auch Laszlo Ungvári keinen Ort der Trauer, als er 1975 das Grab des Vaters besuchen wollte. Lediglich auf dem nahen Dorffriedhof erinnerte seit 1964 ein Gedenkstein an die Toten des KZ-Zugs. Erst 1996/97 wurde der jüdische Friedhof in Hillersleben wieder hergerichtet. Herr Ungvári dankte den Schülern für ihr Interesse an der Geschichte und seine Einladung nach Barleben. Für Dieter Steinecke bestätigt das laufende Schulprojekt das Ansinnen des Volksbundes, Versöhnung über den Gräbern zu stiften.

Internet:
Volksstimme Magdeburg
Volksbund

Fotos: Thomas Nawrath